Promoviert an der HAW

Anna-Lena Höger: "Die experimentelle Arbeit mit Algen bringt die Herausforderung mit sich, auch mal Abende und Wochenenden im Labor zu verbringen"

Von Claudia Aldinger | 16. November 2021

Promovieren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften – dafür entscheiden sich immer mehr junge Forscherinnen und Forscher. Welches Thema haben sie gewählt? Wie ist es Ihnen auf diesem akademischen Weg ergangen und würden sie sich wieder dafür entscheiden?

Das KAT-Netzwerk fragt Promovendinnen und Promovenden der vier Hochschulen Sachsen-Anhalts, wie die Biologin Anna-Lena Höger:

Wie heißt das Thema Ihrer Promotion genau und welche Hochschulen bzw. Institute sind beteiligt?

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der Interaktion von mikrobiellen Kontaminanten in Mikroalgenkulturen, wie zum Beispiel parasitischen Pilzen oder symbiontischen Bakterien, und inwiefern diese Einfluss auf die Stabilität und Produktivität in Photobioreaktoren nehmen. An meiner kooperativen Promotion im Promotionsprogramm „Molekulare Biowissenschaften“ der Graduiertenschule BayNAT der Universität Bayreuth ist neben der Hochschule Anhalt mit meiner praktischen Betreuerin Prof. Dr. Carola Griehl (Kompetenzzentrum Algenbiotechnologie) auch Prof. Dr. Matthias Noll von der Hochschule Coburg (Institut für Bioanalytik) als Gutachter und Privatdozent der Universität Bayreuth beteiligt.

Was ist leichter als anfangs gedacht?

Sehr gut hat rückblickend die Umsetzung meines ganz zu Beginn der Promotion formulierten Forschungsplanes funktioniert, ohne dass wir Experimente oder Hypothesen verwerfen oder in größerem Maßstab anpassen mussten. Außerdem hatte ich dank der stetigen Bemühungen von Prof. Griehl um neue Projekte und Finanzierungsmöglichkeiten nur wenige Probleme mit der Finanzierung meiner Promotionsstelle. Wir konnten auf meinen Ergebnissen aufbauend ein weiterführendes Forschungsprojekt einwerben, das die Finanzierung meiner Stelle sehr erleichtert hat.

Was ist schwerer als anfangs gedacht?

Zunehmend schwerer fand ich es, mit den Jahren das hohe Arbeitspensum, das man sich als Doktorand meist selbst abverlangt, um seine gesteckten Ziele in der vorgesehenen Zeit zu erreichen, über Jahre aufrecht zu erhalten und gleichzeitig mit meiner eigenen physischen und psychischen Gesundheit in Einklang zu bringen. Die experimentelle Arbeit mit lebenden Organismen wie Algen bringt die Herausforderung mit sich auch mal Abende und Wochenenden im Labor zu verbringen. Mit den Jahren eine nachhaltige Work-Life Balance zu entwickeln, ohne sich selbst und sein soziales Umfeld zu vernachlässigen, halte ich für eine große Herausforderung in der Promotion und der Wissenschaft generell. Eine andere Hürde für mich war, unter dem Leistungsdruck und der Frustration über Rückschläge, die wohl jeder Doktorand kennt, meine wissenschaftliche Neugier und die Freude am Forschen nicht zu verlieren.

„Deshalb würde ich die Empfehlung für eine Promotion nicht nur von der fachlichen und psychischen Eignung abhängig machen, sondern auch von der Notwendigkeit zur Erfüllung langfristiger persönlicher Lebensziele.“
Anna-Lena Höger, Promovendin der Hochschule Anhalt

Angenommen, Sie stünden wieder vor der Entscheidung zu promovieren: Würden Sie diesen Schritt wieder gehen?

Für mich stand schon sehr früh fest, dass ich Biologin werden möchte und wer anfängt Biologie zu studieren, dem wird recht früh klar gemacht, dass eine erfolgreiche Karriere in vielen Naturwissenschaften zumeist eine Promotion voraussetzt. Als ich also meinen Master abgeschlossen hatte, stand für mich außer Frage auch zu promovieren. Heute habe ich eine viel klarere Vorstellung davon, dass ein Doktortitel einen, ob in Wissenschaft oder Wirtschaft, vor allem für Führungspositionen mit Projekt- und Personalverantwortung qualifiziert.

Auch, dass diese Art der Arbeit oft nur wenig mit meiner idealistischen Vorstellung von reiner Forschung, sondern viel mehr mit Management, Marketing und Bürokratie zu tun hat. Außerdem muss einem klar sein, dass man Kompromisse im privaten Leben eingehen und auch einige Opfer bringen muss, um in der Wissenschaft erfolgreich zu sein. Deshalb würde ich die Empfehlung für eine Promotion nicht nur von der fachlichen und psychischen Eignung abhängig machen, sondern auch von der Notwendigkeit zur Erfüllung langfristiger persönlicher Lebensziele.

Für mich selbst ist die Frage noch schwer zu beantworten, da ich die Promotion ja noch nicht abgeschlossen habe. In schwierigen Momenten habe ich die Entscheidung sicher schon oft bereut, aber an den vielen Herausforderungen bin ich in den letzten Jahren persönlich und beruflich auch stetig gewachsen. Die Erfahrungen aus meiner Promotionszeit werden mir sicher in vielen Lebenslagen weiterhelfen, aber letztendlich muss mein weiterer beruflicher Weg zeigen, ob sich die Promotion für mich gelohnt hat.

Frau Höger, vielen Dank!

spc

Informationen und Kontakt

Anna-Lena Höger
Fachbereich Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik
Tel.: 03496-672578, E-Mail: anna-lena.hoeger@hs-anhalt.de

Mehr über Forschung und Praxis-Projekte der Hochschule Anhalt im Bereich Algenbiotechnologie sind auf dieser Homepage nachzulesen.

 

An der Hochschule Anhalt gibt es aktuell rund 50 Promovendinnen und Promovenden. Ein Überblick findet sich auf der Hochschulseite.

 

Text und Bilder (soweit nicht anders benannt): Claudia Aldinger

Promotionen waren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) lange Zeit nur durch Kooperationen mit Universitäten möglich. Das Promotionsrecht lag allein bei den Universitäten. Dies hat sich in Sachsen-Anhalt mit dem neuen Hochschulgesetz im Mai 2020 geändert: Jetzt können auch Fachhochschulen das Promotionsrecht für sich beanspruchen. Details dazu auf der Seite des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung.

Das Bundesland Hessen hatte sein Hochschulgesetz bereits 2016 insoweit angepasst, dass HAW unter bestimmten Bedingungen ein Promotionsrecht zuerkannt werden kann.